Der Feed ist voll
16.09.26
Der Instagram-Feed nervt gerade. Kurze KI-generierte Videos, in Stories, Reels, organisch und bezahlt und das in immer kürzeren Abständen. Aber das kenne wir ja … wenn man erst einmal reingeklickt hat, spielt der Algorithmus einem noch mehr davon aus.
Ähnliche Themen, ähnliche Formate, fast schon in Dauerschleife. Am Anfang ist das noch interessant und weckt das Interesse, doch durch die Flut und die Ähnlichkeit verfliegt die Neugier rapide, die Langweile tritt ein und man ist irgendwann genervt.
Die Frage, ob das eine reale Entwicklung ist oder nur einfach ein Problem der Bubble, in der ein jeder sitzt. Die Antwort ist eindeutig. Das ist keine Bubble. Das ist ein strukturelles Problem, das mittlerweile einen eigenen Namen hat:
AI Slop
Der Begriff beschreibt massenhaft produzierte, oft minderwertige KI-Inhalte, die Plattformen fluten. Und er ist längst im Mainstream angekommen. Die BBC hat im Februar 2026 einen ausführlichen Artikel dazu veröffentlicht, mit dem Titel “AI slop is transforming social media, and a backlash is brewing“.
Interessant wird es an der Stelle, wo die Plattformen selbst reagieren. Seit dem 15. Juli 2025 hat YouTube seine Monetarisierungsregeln verschärft und dabei die frühere Richtlinie zu “repetitious content” explizit in “inauthentic content” umbenannt. YouTube-CEO Neal Mohan erklärte die Reduzierung von AI Slop Anfang 2026 sogar öffentlich zur Priorität für das laufende Jahr. Im Februar 2026 wurden daraufhin 16 der 100 größten KI-Kanäle gelöscht, mit zusammen rund 35 Millionen Abonnenten.
Ob das etwas gebracht hat, ist fraglich
Eine neuere Analyse des Tool-Anbieters Kapwing kam im Juni 2026 für YouTube weiterhin auf rund 21 Prozent AI Slop im Feed neuer Nutzer, kaum weniger als im Dezember 2025. Löschungen einzelner Kanäle ändern offenbar wenig an der Grundmenge, weil ständig neue Kanäle nachrücken.
Zum Vergleich, bei TikTok liegt der Anteil laut derselben Untersuchung bei fast 60 Prozent.
Einzelne Plattform-Eingriffe lösen das strukturelle Problem nicht. Sie kurieren Symptome, während die Ursache, nämlich fast kostenlose Produktion bei gleichzeitiger Watch-Time-Optimierung, unangetastet bleibt.
Warum das gerade passiert
Zwei Entwicklungen verstärken sich hier gegenseitig, und beide sind nachvollziehbar:
Erstens
sind die Produktionskosten für diese Art von Bewegtbild praktisch verschwunden.
Vor zwei Jahren brauchte ein Reel noch Zeit, ein bisschen Equipment, manchmal ein kleines Team. Heute reicht ein Prompt und ein paar Minuten Wartezeit. Algorithmen erkennen keine Qualität, sie erkennen nur Signale wie Watch Time oder Completion Rate.
Zweitens
optimieren diese Algorithmen nach wie vor auf Watch Time, nicht auf Zufriedenheit.
Das ist keine neue Erkenntnis, denn der Algorithmus misst nur, wie lange jemand hinschaut, nicht warum. Ob echtes Interesse oder Genervtsein der Grund ist, spielt für das System keine Rolle, solange die Verweildauer stimmt.
Und auch bei Meta brodelt es. Anfang 2026 mehrten sich öffentliche Stimmen von Creator:innen, die der Plattform vorwarfen, zu wenig gegen die Flut an KI-Massencontent getan zu haben.
Ein klares Signal
Wenn Plattformen anfangen, die eigene Content-Flut selbst zu drosseln, dann nicht aus Prinzip, sondern weil sie messen, dass Nutzerfrust an ein Limit stößt, das ihrem Geschäftsmodell schadet. Denn Aufmerksamkeit lässt sich zwar kurzfristig durch Menge erkaufen, aber langfristig nicht durch Reizüberflutung halten.
Was das bedeutet
Hier wird es strategisch interessant, und zwar unabhängig davon, ob man selbst KI-Content produziert oder nicht.
Die Decke der Aufmerksamkeit wird gerade dünner. Gleichzeitig steigt der Wert von Inhalten, die sich klar von der Masse abheben, weil sie erkennbar von echten Menschen stammen, mit einer erkennbaren Haltung und Stimme.
Zwei Wege, und beide haben ihren Preis
Mitschwimmen
Man produziert selbst mehr, schneller, günstiger, mit KI-Unterstützung. Das skaliert kurzfristig gut und kostet wenig. Das Risiko besteht aber darin, dass man Teil genau des Rauschens wird, das die eigene Zielgruppe gerade als anstrengend empfindet. Wer im Feed genervt wird, unterscheidet irgendwann nicht mehr zwischen Anbietern, sondern schaltet komplette Kategorien ab, liked und kommentiert weniger … wandert ab.
Bewusst dagegenhalten
Weniger Inhalte, dafür erkennbar eigenständig produziert, mit einer klaren redaktionellen / eigenen Linie. Das ist teurer in der Produktion und skaliert langsamer. Aber es differenziert gerade jetzt, wo die Erwartungshaltung an Feeds spürbar kippt.
Es gibt, wie gesagt, keinen pauschal richtigen Weg. Aber die Entscheidung sollte bewusst getroffen werden und nicht rein aus Bequemlichkeit in Richtung Masse, nur weil es gerade Dank KI so einfach geworden ist, alle machen, gehyped wird und der Algorithmus einen (noch) in die Karten spielt.

