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Das volle Web, die leere Suche

14. Februar 2026
14.02.26
 

Über die Hälfte aller neuen Webinhalte stammt inzwischen von KI und warum die Zahl trotzdem weniger dramatisch ist.

Die SEO-Firma Graphite hat Anfang 2025 rund 65.000 englischsprachige URLs aus dem Common-Crawl-Datensatz ausgewertet (einem gemeinnützigen Web-Archiv, das seit 2007 kontinuierlich öffentlich zugängliche Webseiten crawlt und die Rohdaten frei zur Verfügung stellt (https://commoncrawl.org).

Es umfasst heute über 300 Milliarden archivierte Seiten und wird unter anderem für KI-Forschung und Webanalysen genutzt. Das Ergebnis ist interessant, denn seit November 2024 überwiegen KI-generierte Artikel erstmals die menschlich verfassten.

Bis Mai 2025 lag der Anteil bei 52 Prozent – und ist seitdem stabil (https://graphite.io/five-percent/more-articles-are-now-created-by-ai-than-humans).

Vor dem Launch von ChatGPT im November 2022 war dieser Anteil – wen wunder es – praktisch null. Das ist eine reale Entwicklung, kein Medienhype. Wer regelmäßig im Web unterwegs ist, merkt mittlerweile schnell (spezielle auf Social Media und Kanälen wie X, Instagram oder TikTok, aber das ist ein ganz eigenes Thema), dass die Inhalte irgendwie vollständig klingen, aber nichts sagen. Artikel, die eine Frage beantworten, ohne sie wirklich zu verstehen.

Indexiert ist nicht gleich sichtbar

Um das zu verstehen, lohnt ein kurzer Blick, wie Google in der organischen Suche tatsächlich funktioniert, also in dem Bereich, der nichts mit bezahlter Werbung zu tun hat.

Google arbeitet in drei Stufen

Zuerst crawlt der Googlebot das Web:
Er folgt Links, besucht Seiten, liest Inhalte. Alles, was Google so findet, landet potenziell im zweiten Schritt: Die Indexierung der Seite und wird in Googles Datenbank aufgenommen (https://developers.google.com/search/docs/fundamentals/how-search-works?hl=de). Aber indexiert sein bedeutet noch lange nicht, gefunden zu werden.

Im dritten Schritt entscheidet der Algorithmus über das Ranking. Also darüber, auf welcher Position eine Seite in den organischen Suchergebnissen erscheint. Seite Eins oder Seite 47.

Der Großteil des KI-generierten Masseninhalts schafft Stufe eins und zwei. An Stufe drei scheitert der KI Inhalt systematisch.

Was Google wirklich bewertet

Google unterscheidet in der organischen Suche nicht prinzipiell zwischen menschlichem und KI-generiertem Text. Die Frage ist aber immer: Ist der Inhalt hilfreich, original, vertrauenswürdig?

Das zentrale Bewertungsrahmen heißt E-E-A-T (Experience, Expertise, Authoritativeness, Trustworthiness). Das erste E (Experience) wurde 2022 ergänzt, also genau zu dem Zeitpunkt, als KI-generierte Texte begannen, das Web zu fluten und das ist kein Zufall.

Google sucht seither aktiv nach „Signalen“ echter “Erfahrung”. Hat jemand das Produkt selbst genutzt? Stammt die Einschätzung aus der Praxis? Gibt es eine erkennbare Perspektive hinter dem Text? (https://developers.google.com/search/blog/2022/12/google-raters-guidelines-e-e-a-t?hl=de)

Das ist genau das, was KI-Massenproduktion strukturell nicht liefern kann.
Im März 2024 hat Google dann mit einem umfangreichen Core Update nachgezogen. Google-Produktdirektorin Elizabeth Tucker kündigte an, den Anteil minderwertiger, unoriginaler Inhalte in den organischen Suchergebnissen um 40 Prozent zu senken. Nach Abschluss des Rollouts im April 2024 hatte Google dieses Ziel sogar übertroffen!
45 Prozent weniger minderwertige Inhalte in den Suchergebnissen.

Ergänzt wurde das Update durch neue Spam-Richtlinien, die skalierte Masseninhalte, den Missbrauch abgelaufener Domains und Content-Farmen direkt adressierten – alles Muster, die typisch für KI-SEO-Spam sind. (https://blog.google/products-and-platforms/products/search/google-search-update-march-2024/)

Was die Zahlen wirklich zeigen

Zwei Studien zeigen noch besser auf, wie KI-Inhalte in der organischen Suche tatsächlich performen. Eine Ahrefs-Analyse aus 2025 hat 100.000 Keywords und rund zwei Millionen Rankingpositionen ausgewertet. Die Korrelation zwischen dem KI-Anteil eines Textes und seiner Position in den Suchergebnissen: 0,011 – also statistisch bedeutungslos!
Ob ein Text von einer KI stammt oder nicht, sagt allein also nichts darüber aus, ob er rankt (https://ahrefs.com/blog/ai-seo-statistics/).

Eine Semrush-Studie, die 42.000 Blogposts und 20.000 Keywords analysierte, wird noch konkreter! 80,5 % der Inhalte auf dem ersten Platz der organischen Suchergebnisse stammen von Menschen.
Nur rund 10 Prozent sind rein KI-generiert. Für jeden KI-Text auf Platz 1 stehen acht menschlich verfasste Inhalte (https://www.semrush.com/blog/does-ai-content-rank-in-search-data-study/).

Das bedeutet nicht, dass KI-Inhalte grundsätzlich nicht ranken. Sie tun es – aber seltener, und fast nie ganz oben. Was rankt, ist Qualität. Und Qualität entscheidet sich nicht an der Produktionsmethode, sondern am Ergebnis.

Das Paradox

Man kann es ungefähr so beschreiben … Das Web hat eine sichtbare Oberfläche und einen unsichtbaren Keller. Im Keller lagert ein wachsender Berg an KI-generierten Texten, die niemand liest, weil Google sie in der organischen Suche nicht nach oben lässt.

Das bedeutet aber nicht, dass kein KI-Spam durchkommt. Es gibt dokumentierte Fälle, in denen Spam-Sites trotz des März-2024-Updates weiter gut rankten (https://www.searchenginejournal.com/ai-spam-sites-beat-googles-march-2024-spam-update/511900/).

Google ist kein perfekter Filter. Aber es ist ein aktiv arbeitendes Filtersystem.

Was das strategisch bedeutet

Für Unternehmen, Marken und alle, die in der organischen Suche sichtbar sein wollen, ergibt sich daraus eine klare Konsequenz. Der Wettbewerb um Sichtbarkeit findet nicht mehr auf der Ebene von Maße statt. Wer mehr Texte produziert als andere, gewinnt damit nichts – wenn diese Texte keine erkennbare Erfahrung, keine eigene Perspektive und keine echte Tiefe, keinen Mehrwert vermitteln.

Interessant daran ist, dass Google das Spielfeld nicht zugunsten von KI verschoben hat.

Das ist für alle, die etwas zu sagen haben, eine gute Nachricht. Denn was KI-Massenproduktion nicht liefern kann – gelebte Praxis, klare Haltung, echtes Urteilsvermögen – ist genau das, was in der organischen Suche heute den Unterschied macht.

Und es steckt noch ein weiterer Grund dahinter, warum Google konsequent auf Qualität setzt! Ein handfestes eigenes Interesse.

Googles KI-Funktionen – allen voran die AI Overviews, die seit 2024 in den Suchergebnissen ganz oben erscheinen – basieren auf Gemini, das bei jeder Suchanfrage aktiv auf Webinhalte zugreift und diese als Quellen verarbeitet (https://www.sistrix.de/frag-sistrix/ai-grundlagen/ai-overviews/).

Je besser und substanzieller diese Inhalte sind, desto besser funktioniert Googles eigenes KI-Produkt. Google braucht also gute Inhalte im Web – nicht aus Idealismus, sondern weil das zukünftige Geschäftsmodell davon abhängt.

Das eigentlich Beunruhigende ist nicht der Anteil der KI-Texte. Es ist die Erkenntnis, wie gut das Filtersystem von Google bereits funktioniert – und wie viele Unternehmen, Marken und Contentersteller das trotzdem noch nicht verstanden haben. Sie produzieren weiter fleißig KI-Inhalte für den Keller.





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